Nicht jede Erzeugungsanlage sollte bei negativen Preisen automatisch ihre Leistung reduzieren. Je nach EEG-Vergütung, PPA-Struktur oder individuellen Vermarktungsbedingungen unterscheiden sich die wirtschaftlichen Auswirkungen erheblich. Während für einige Anlagen eine Einspeisung trotz negativer Marktpreise weiterhin wirtschaftlich sein kann, entstehen für andere bereits früh erhebliche Verluste.
Die Herausforderung besteht darin, diese Unterschiede innerhalb eines Anlagenportfolios zu berücksichtigen – und zwar automatisiert.
Genau hier setzt das Feature Strike Price Based Pool Power Curtailment unseres Flexibilitätswerks an. Anstatt komplette Anlagenpools pauschal abzuregeln, bewertet das System kontinuierlich die Wirtschaftlichkeit jeder einzelnen Anlage anhand definierter Strike Prices sowie weiterer Vermarktungsparameter. Dazu gehören beispielsweise EEG-Vergütungen, PPA-Konditionen oder individuelle Grenzkosten.
So entsteht automatisch eine Merit Order innerhalb des Pools:
Das vorgegebene abzuregelnde Leistungsvolumen wird automatisch auf die wirtschaftlich sinnvollsten Assets verteilt. Dadurch erfolgt die Leistungsreduzierung nicht nur technisch korrekt, sondern auch wirtschaftlich optimiert.
Ein besonderer Vorteil entsteht bei Anlagen mit unterschiedlichen EEG-Regelungen und Vergütungsmodellen. Das Flexibilitätswerk kann verschiedene wirtschaftliche Rahmenbedingungen gleichzeitig berücksichtigen. Dadurch lassen sich Anlagen mit garantierten Vergütungen anders behandeln als Anlagen, die vollständig dem Marktpreis ausgesetzt sind.
Gerade bei negativen Börsenpreisen ermöglicht dies eine differenzierte Steuerung: Anlagen, deren garantierte Vergütung eine weitere Einspeisung wirtschaftlich sinnvoll macht, bleiben möglichst lange am Netz. Andere Anlagen werden entsprechend ihrer wirtschaftlichen Priorität automatisch abgeregelt.
Besonders wichtig ist die Abregelung von PV-Anlagen bei Überschusseinspeisern. Um wirtschaftliche Einbußen zu vermeiden, ist ein präzises Vorgehen hier entscheidend. Das Flexibilitätswerk berücksichtigt genau wie bei Volleinspeisern den Strike Price, sorgt aber zusätzlich dafür dass nur genau so viel Leistung abgeregelt wird, dass der lokale Eigenverbrauch nicht beeinträchtigt wird.
Negative Preise entstehen häufig kurzfristig oder verändern sich während eines laufenden Viertelstundenintervalls. Deshalb unterstützt das Flexibilitätswerk nicht nur fahrplanbasierte Vorgaben, sondern auch Live-Anpassungen. Neue Curtailment-Volumen oder Strike Prices können in Echtzeit übermittelt werden. Das System berechnet unmittelbar neue Sollwerte und verteilt die notwendige Leistungsreduktion automatisch auf die geeigneten Anlagen – sowohl für Einzelanlagen als auch auf Pool-Ebene
So können Direktvermarkter flexibel auf Marktveränderungen reagieren, ohne manuell in die Steuerung eingreifen zu müssen.
Mit dem steigenden Anteil erneuerbarer Energien wird Flexibilität zu einem zentralen Erfolgsfaktor. Intelligente, wirtschaftlich optimierte Abregelung hilft nicht nur dabei, Vermarktungskosten zu reduzieren. Sie sorgt auch dafür, dass erneuerbare Erzeugung gezielt dort reduziert wird, wo dies den geringsten wirtschaftlichen Schaden verursacht. Je mehr Anlagen marktorientiert und automatisiert auf Preissignale reagieren können, desto effizienter funktioniert das Gesamtsystem. Statt pauschaler Abregelungen wird Flexibilität dort eingesetzt, wo sie den größten wirtschaftlichen Nutzen erzielt – sowohl für Betreiber als auch für Direktvermarkter.
Negative Strompreise werden den Strommarkt langfristig begleiten. Erfolgreiche Direktvermarktung bedeutet daher zunehmend, wirtschaftliche Entscheidungen automatisiert treffen zu können. Mit dem Feature Strike Price Based Pool Power Curtailment unterstützt das Flexibilitätswerk genau diesen Ansatz: Statt pauschaler Abregelung erfolgt eine intelligente, wirtschaftlich optimierte Steuerung ganzer Anlagenpools unter Berücksichtigung individueller Vergütungsmodelle, Strike Prices und aktueller Marktpreise.
So lassen sich Vermarktungsstrategien effizient umsetzen, Prozesse automatisieren und wirtschaftliche Potenziale auch in einem zunehmend volatilen Strommarkt optimal ausschöpfen.
Weitere Inhalte zum Feature finden Sie im Blogbeitrag: Mehr Power, weniger Aufwand: Poolsteuerung im Virtuellen Kraftwerk