Viele klassische Energiemanagementsysteme wurden ursprünglich für klar definierte Anwendungsfälle entwickelt. Im Mittelpunkt standen beispielsweise:
Für diese Aufgaben sind solche Systeme gut geeignet. Sobald jedoch zusätzlich Vermarktungsstrategien berücksichtigt werden sollen, steigt die Komplexität erheblich.
Neben dem Eigenverbrauch müssen plötzlich Marktpreise, Vermarktungsfahrpläne, technische Restriktionen sowie Anforderungen verschiedener Energiemärkte gleichzeitig berücksichtigt werden. Aus einer lokalen Anlagensteuerung wird damit eine Optimierungsaufgabe über mehrere Anwendungsbereiche hinweg.
Die Maximierung des Eigenverbrauchs war lange Zeit das zentrale Ziel vieler Batteriespeicher. Wirtschaftlich kann es jedoch sinnvoll sein, von dieser Strategie abzuweichen.
Ein Beispiel:
In Phasen niedriger oder sogar negativer Großhandelsstrompreise – beispielsweise an windstarken Nächten oder mittags bei hoher PV-Einspeisung – kann es wirtschaftlich sinnvoll sein, einen Batteriespeicher gezielt mit günstigem Netzstrom zu laden. Die gespeicherte Energie kann später entweder zur Versorgung des Eigenverbrauchs oder im Rahmen einer Vermarktungsstrategie genutzt werden. Damit verschiebt sich der Fokus von der reinen Eigenverbrauchsoptimierung hin zu einer Kombination aus Erlösoptimierung und Strombezugskostenoptimierung.
Beim Peak Shaving wird Speicherkapazität vorgehalten, um Lastspitzen im Unternehmen (Gewerbe- und Industriebereich) zu reduzieren und Netzentgelte zu senken.
Für die Arbitrage am Spotmarkt soll dieselbe Batterie dagegen möglichst flexibel auf Preisentwicklungen reagieren und zu optimalen Zeitpunkten laden oder entladen.
Beide Strategien beanspruchen dieselbe Speicherkapazität und können sich gegenseitig einschränken. Eine koordinierte Steuerung berücksichtigt deshalb sowohl betriebliche Lastprofile, lokale Preisschwellenwerte als auch Marktchancen.
Ein Batteriespeicher kann verschiedene Märkte bedienen.
Nimmt ein Batteriespeicher am Regelleistungsmarkt teil, müssen die zugesagten Leistungen jederzeit verfügbar sein. Dadurch stehen Teile der Batterie nicht uneingeschränkt für den Spotmarkt oder andere Vermarktungsstrategien zur Verfügung. Die technische Herausforderung besteht darin, verfügbare Kapazitäten optimal zwischen verschiedenen Märkten aufzuteilen und dabei sämtliche technischen sowie vertraglichen Anforderungen einzuhalten.
Welche Vermarktungsstrategie wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt von den jeweiligen Marktbedingungen und den Vorgaben des Vermarkters ab. Entscheidend ist, dass die technische Plattform unterschiedliche Vermarktungsformen unterstützen und deren Anforderungen gleichzeitig berücksichtigen kann.
Häufige Lade- und Entladezyklen können zusätzliche Vermarktungserlöse ermöglichen. Gleichzeitig beeinflussen sie die Alterung eines Batteriespeichers.
Zwischen kurzfristiger Erlösmaximierung und langfristigem Werterhalt entsteht daher ein natürlicher Zielkonflikt. In der Praxis können unterschiedliche Betriebsstrategien gewählt werden, bei denen wirtschaftliche Chancen und technische Belastungen gegeneinander abgewogen werden. Häufig werden Zyklusbegrenzungen der Batterie vereinbart, die es als eine von vielen möglichen Restriktionen einzuhalten gilt.
Gerade bei größeren Photovoltaikanlagen oder Co-Located Standorten (PV+Batterie) stellt der Netzanschluss häufig einen begrenzenden Faktor dar.
Produziert die PV-Anlage mehr Leistung als eingespeist werden darf, entstehen verschiedene Möglichkeiten:
Welche Option jeweils sinnvoll ist, hängt von den technischen Rahmenbedingungen und den wirtschaftlichen Prioritäten ab.
Eine Photovoltaikanlage erzeugt hohe Leistungen. Gleichzeitig steht ein Batteriespeicher zur Verfügung, der für unterschiedliche Aufgaben genutzt werden könnte.
Je nach Vermarktungsstrategie kann sinnvoll sein:
Die Priorisierung dieser Ziele erfolgt nicht nach einer starren Reihenfolge. Vielmehr orientiert sie sich an den wirtschaftlichen Zielsetzungen des Anlagenbetreibers oder Vermarkters. Marktpreise, Erlöspotenziale, technische Restriktionen sowie betriebliche Anforderungen können dabei unterschiedlich gewichtet und miteinander kombiniert werden.
Die Entscheidung, an welchen Märkten eine Anlage eingesetzt wird und welche wirtschaftlichen Ziele verfolgt werden, trifft grundsätzlich der jeweilige Vermarkter.
Die technische Herausforderung besteht anschließend darin, diese Vorgaben zuverlässig umzusetzen und dabei sämtliche Restriktionen einzuhalten.
Genau hier setzen moderne Plattformen für virtuelle Kraftwerke, wie das Flexibilitätswerk, an. Sie können unterschiedliche Vermarktungsoptionen miteinander kombinieren, technische Randbedingungen berücksichtigen und komplexe Steuerungsentscheidungen automatisiert unterstützen. Dadurch lassen sich verschiedene Anwendungsfälle in einer gemeinsamen Steuerungslogik zusammenführen, anstatt jede Optimierung isoliert zu betrachten.
Mit der zunehmenden Flexibilisierung des Energiesystems nehmen auch die Anwendungskonflikte im Anlagenbetrieb zu. Eigenverbrauch, Stromhandel, Regelenergie, Netzrestriktionen und betriebliche Anforderungen verfolgen häufig unterschiedliche Ziele und greifen auf dieselben technischen Ressourcen zu.
Eine wirtschaftlich erfolgreiche Vermarktung erfordert deshalb mehr als einzelne Optimierungsfunktionen. Entscheidend ist eine übergeordnete Steuerungslogik, die verschiedene Vermarktungsstrategien, technische Restriktionen und betriebliche Anforderungen gleichzeitig berücksichtigen kann. So lassen sich Flexibilitäten bestmöglich nutzen und Anlagen ganzheitlich in moderne Vermarktungskonzepte integrieren.